Unsere Highlights

* Der Oeschinensee
* Die "Käse-Alm"
* Unsere Gastgeber in der Schweiz und in Frankreich 

Das solltest du wissen: 

* Die Abstiege ziehen sich bei dieser Tour oft recht lang
* Etappen sollte man nicht zusammenlegen
*

Bevor eine Reise wie die Via Alpina losgehen kann, ist es wichtig nur das nötigste einzupacken. Das ist gar nicht so leicht, dein Rücken wird es dir aber am Ende danken. Wir kommen bei unseren Touren meistens auf ca.13kg Gepäck inkl. Wasser und Verpflegung. 
Die Faustregel besagt dass das Gepäck möglichst nicht 25% des eigenen Körpergewichts überschreiten sollte. 

Damit wir mit der Urlaubszeit hinkommen, haben wir uns entschieden nur den zweiten Teil des Via Alpina zu wandern. 
Von Meiringen-Montreux. 

Montreux, gelegen am Genfer See war für uns ein wunderbares Ziel, worauf wir "hinarbeiten" wollten. 

Wir starteten den sogenannten Bärentrek vom Campingplatz Balmweid in Meiringen. Nach der langen Anreise genossen wir erstmal ein erfrischendes Radler und wappneten uns für die insgesamt 9 Etappen und ca. 140 km. 

Für den Start in Meiringen können wir den Campingplatz Balmweid sehr empfehlen. Er ist sauber und gut ausgestattet und liegt zwischen herrlichem Bergpanorama. Da bekommt man direkt Lust am nächsten Tag loszustapfen. Um zum Campingplatz zu gelangen, folgt man in Meiringen der Schnellstraße nach rechts und an der Kreuzung befinden sich dann Wegschilder. 
Die erste Etappe war 23 km lang und insgesamt hatten wir 1500hm zu bewältigen. Wir starteten um 8 Uhr morgens und erreichten um 14 Uhr den Pass die große Scheidegg auf 1962 hm mit einem wunderbaren Blick auf die Berge. Wir machten eine große Pause bis 15:15 und unser Abstieg dauerte dann nochmal 3 Stunden, er war sehr steil und über viel Asphalt am Ende. Es war schwierig in Grindelwald einen Outdoor-Schlafplatz zu finden, schließlich durften wir auf einem Bauernhof für nur 5CHF pro Person schlafen. Das war unser großes Glück, denn die Gastgeber haben uns nett empfangen, auch andere Gäste haben dort übernachtet. Wir schauten der Sonne zu wie sie hinter einer Bergkette verschwand und schliefen ganz gut unter unserem Tarp ein. 
Am nächsten Morgen machten wir uns frisches Porridge, packten unsere 7 Sachen ein und starteten unsere Tour von Grindelwald (1034müM.) nach Lauterbrunnen (795müM.). Wir erreichten das Bergrestaurant Alpiglen gegen 11:30 Uhr auf 1600müM. für eine verdiente Getränkepause nach einem langen sehr steilen asphaltierten Anstieg. Wir gerieten mitten in ein Fahrradrennen (Eiger-Trail), sodass sich die Fahrräder immer an uns vorbeischlängelten. Dadurch konnten wir diesen Abschnitt leider nicht so sehr genießen. Die kleine Scheidegg auf 2061müM. bietet ein herrliches Panorama auf Eiger, Mönch und Jungfrau und gilt als touristischer Hotspot wegen der Jungfraujochbahn. Auf den Anstieg folgt ein Abstieg. Dieser verlief anfangs leicht, dennoch entschieden wir uns ab Wengen die Zahnradbahn (Kosten 6,80CHF p. Person) zu nehmen, weil es bereits 18 Uhr war und sich der Abstieg sonst zu lange gezogen hätte. Wir übernachteten im Valley Hostel mit Blick auf Lauterbrunnens berühmten UNESCO-Wasserfall. (Achtung: Der Coop-Supermarkt hatte nur bis 19:00 geöffnet). 
Wir empfehlen auf der Etappe Lauterbrunnen-Griesalp am nächsten Tag die 30-minütige Zugfahrt bis Mürren (11,20CHF p. Person) zu machen um sich einen steilen Anstieg einzusparen. Wir frühstückten nach kurzem steilen Anstieg unter Tannen und hatten ein herrlich schattiges Plätzchen mit Ausblick. Nach bewältigten 400hm machten wir unsere erste große Pause auf der Rotstockhütte (2039müM.). Von dort brauchten wir etwa 2 1/2 Std. bis zum Bergübergang Sefinafurgga. Sefinefurgga mit 2612 müM. war unser höchster erreichter Punkt der gesamten Tour. Auf dem Weg dorthin überquerten wir nicht nur ein Schneefeld, sondern stiegen auch 94 Treppenstufen hoch. Bis kurz vor Griesalp folgte ein Abstieg von etwa 1000hm über unzählige Treppen, Schotter und Schotter, sodass ich am Ende Blasen an den Füßen hatte und meine Füße ziemlich geschunden aussahen. An einem Fluss machten wir eine Badepause, kühlten unsere Füße und hielten nach einem Schlafplatz Ausschau. Wir schliefen oberhalb eines reißenden Flusses zwischen ein paar Bäumen. So waren wir gut geschützt. Am Abend gab es leckere Nudeln mit Pesto und Rotwein. In der Nacht holte uns ein Gewitter ein, sodass wir das Tarp umspannten, es regnete viel aber wir sind trocken geblieben. 
Durch Nebeldunst wanderten wir am nächsten Morgen noch den Rest bis zu Griesalp Hotels, wo wir uns einen Kaffee gönnten und den Bus nach Kandersteg nahmen. Aufgrund der schlechten Wettervorhersage entschieden wir uns nämlich dazu die Etappe Griesalp-Kandersteg auszulassen. Noch am selben Tag wanderten wir von Kandersteg (1150müM.) zum Oeschinensee (1578müM.). Ein Must-have auf dem Via Alpina!! 428hm liefen wir in ca. 1 1/2 Std. Anfangs durch ein Waldstück, dann über einen Steinweg und zuletzt auf einer breiten Straße. Und dann: WoW! Nach der letzten verregneten Nacht gönnten wir uns nun Luxus. Wir übernachteten im Berghaus Arva, direkt am Oeschinensee. Abends genossen wir unsere Chips mit Bier und aßen dann im Restaurant hausgemachte Ravioli sowie Kartoffeln mit Ei. Tolles Zimmer mit Bergblick, sauberes Badezimmer und das Frühstück mit leckerem Käse haben wir auch sehr genossen. Dann legten wir einen Pausentag am See ein. Morgens waren wir die Ersten am noch ruhigen See, der Nebel hing noch darüber aber über Tag kam die Sonne zum Vorschein, sodass wir es uns nicht nehmen ließen schwimmen zu gehen. Glasklares, kaltes Wasser! Gegen 15:30 wanderten wir zum Campingplatz Rendez-Vous nach Kandersteg zurück und kochten uns neben unserem geraden und schön gelegenem Biwakplatz eine leckere Gemüsereispfanne und gönnten uns ein Solero-Eis. 

Am darauffolgenden Tag ging es wieder richtig zur Sache. Für 17  km brauchten wir 8 Stunden bis Adelboden. Anfangs etwas nebelig, begegneten wir einem Genfer-Bergsteiger auf Almwiesen. Es folgte ein steiler Anstieg durch den Wald und an einer Schlucht vorbei und weiter ging es über Almweiden. Ein weiterer geschlängelter Anstieg führte uns erneut in dichten Nebel hinein und leider mussten wir nach links auf eine Schotterstraße einbiegen. Am höchsten Punkt der Etappe machten wir Pause und kamen ins Gespräch mit einer 3er Gruppe aus der Schweiz, die den gesamten Via Alpina laufen. Der Abstieg war gut machbar und zog sich nicht so wie die letzten dahin. Zum Schluss folgten wir einer Straße und Waldpfade bis Adelboden. Die Schlafplatzfindung gestaltete sich wegen der Zivilisation schwierig. Schließlich entschieden wir uns dazu die Route ein Stück weiterzugehen und machten Rast an einer Bank mit reißendem Fluss. Wir waren müde, ausgelaugt und etwas verpeilt an dem Abend. Es dauerte etwas bis wir Tomatenreis mit Gemüse kochten und unser Biwak aufbauten. Die Dunkelheit und Feuchtigkeit umgab uns und dadurch auch leider ein paar Nacktschnecken, die wir entfernen mussten. Zum Glück haben wir immer unser Spray dabei, was uns hilft eine abweisende Spur für solche und ähnliche Fichern zu legen. Die Kälte macht uns zu schaffen in dieser Nacht, sodass wir schon um 7 Uhr am nächsten Morgen aufstehen und gegen 8 Uhr losgestapft sind. 
Sie startete schön über einen breiten Feldweg. Während der Pause kauften wir uns in einem Skigebiet einen hausgemachten Meloneneistee. Der Abstieg verlief leicht über Straßen und Felder. Wir bewunderten die Heumacher im Hang und kamen schon gegen 14:30 an unserem Ziel dem Campingplatz "Seegarten" (25,50 CHF p.P.) in Lenk an. Sina ging einkaufen, wir machten ein Päuschen und kochten im Aufenthaltsraum natürlich Nudeln mit Pesto, dazu gab´s Rosé. Wir konnten beruhigt und wieder mit Blick auf die Berge einschlafen. 
Ab dem Campingplatz starteten wir am nächsten Morgen um 8:00 und kauften uns bevor steile Treppenstufen die Etappe Lenk-Gstaad einläuteten einen heißen Kaffee und etwas Gebäck. Höchster Punkt der Tour: Trüttslibergpass (ca.2037 müM.). Kurz vor war ich gedankenversunken auf einer Sandsteinpassage ausgerutscht, wehgetan habe ich mir aber zum Glück nicht. Wir genossen unsere Pause mit Aussicht auf einer Alpwiese, aßen eine Käsestulle und fühlten uns wie bei Heidi. In der Ferne sahen wir ganz kurz ein Murmeltier, worüber wir uns sehr freuten. Der Abstieg an diesem Tag war recht harmlos. Wir sehen wir eine Bauernfamilie Heu macht und befinden uns im Turbachtal. Wir begegnen einem Bewohner aus Turbach, der einen glücklichen Eindruck auf uns machte. Er erzählte uns, dass er die Wegmarkierungen für den Via Alpina aufbessert und wie oft er in den Bergen unterwegs ist. Wir gelangten den Weg weiter folgend an einem Fluss und schön angelegten Holzhütten mit Grillplätzen vorbei. Wir bewunderten das klare Wasser und seine kleinen Wasserfälle. Bevor es zu spät ist, taten wir unseren Füßen etwas gutes und halten sie in die kalten Wasserstrudel. Was für ein herrliches Gefühl nach einem langen Wandertag. 
In diesen Momenten sind wir immer wieder aufs Neue froh und stolz angekommen zu sein. Kurz darauf sehen wir das Städtchen Gstaad - der Ort der Reichen & Millionäre, was direkt durch die dicken Autos und die Leute auffällt. An einer freizugänglichen Trinkwasserquelle trinken wir unsere Cola, essen Schoki und gehen dann wieder aus dem Dorf hinaus um einen Schlafplatz in der Nähe der Einstiegstelle für den nächsten Tag zu finden. Wir rasten etwas an einer Liegebank, bemerken allerdings, dass die Stelle zu einsehbar ist. Eine gute halbe Stunde abwägend, beschließen wir schließlich 50 m einen Steilhang hoch zu gehen um unter den Tannen Schutz zu finden. Wir haben zwar Aussicht auf die Lichter von Gstaad, hören aus der Ferne Musik aber liegen maximal ungerade, sodass wir des Nachts immer wieder mit den Isomatten nach unten rutschten. 
Zu der Etappe Gstaad-L´Étivaz habe ich mir nicht so viele Notizen gemacht. Jedenfalls freuten wir uns sehr auf unser Airbnb in Château d´Oex (einem nahegelegenem Ort) mit einem sehr netten, großzügigen Gastgeber. Wir kochten abends Kartoffelgratin mit Salat und waren einfach nur glücklich mit einer Dusche, Essen und Wein. Wir schliefen beide sehr gut, in der Nacht regnet es und wir sind froh am nächsten Morgen erholt aufzuwachen. Unser Gastgeber lädt uns ein, eine zusätzliche Nacht bei ihm zu verbringen und die Käserei Wilibach zu besichtigen. Es war super spannend zu sehen, wie Familie Wilibach in den Sommermonaten in den Bergen lebt und den frischen Käse auszuprobieren. Ich war danach jedoch ziemlich ausgelaugt und hatte etwas Magenschmerzen. Wahrscheinlich hatte ich zuviel von dem leckeren Käse gegessen. Wir drehten noch eine Runde durch Gstaad, aßen abends Raclette und tranken zum Abschluss einen Drink in der überaus schicken und riesigen Lounge in der Wohnanlage des Gastgebers. 
Von Château D´Oex bis Rochers de Naye: Da diese Route vor allem mit unserem Gepäck eigentlich nicht an einem Tag machbar wäre, planten wir um. Dankenswerterweise fuhr uns unser Host gut eine halbe Stunde aus Château d´Oex raus, sodass wir mittendrin einstiegen und nur noch wenige Höhenmeter vor uns hatten. Anfangs mussten wir nach unserem Pausentag erst einmal wieder in den Rhythmus kommen. Es ist ziemlich nebelig und wir begegneten kaum jemanden. Wir kämpften uns durch matschige Almwiesen und versunken des Öfteren mit unseren Wanderstiefeln darin. Dennoch ging es weiter und weiter, wir kamen auf eine Straße der wir hoch folgten und wanderten ab dem ersten Blick auf den Genfer See rechts Richtung Rochers de Naye (2042 müM.), dem Hausberg von Montreux. Angeschrieben stehen auf dem Schild nur noch 1h45 min. Voll motiviert wanderten wir auf kleinen, schmalen Pfaden und befanden uns dann auf einem Bergkamm, was ein total schönes Gefühl war. Einen Bergrücken entlang zu wandern und soweit oben zu sein. Ich laufe in dem Moment vor, während Sina angibt, dass das gut für sie sei. Wir sehen schon den Gipfel aus der Ferne und wissen wo wir hinmüssen. Aber erstmal durchqueren wir eine Kuhherde, die gerade ihr Festmahl erhalten. Wir gehen ruhig dadurch und der nette Bauer lenkt die Kühe in eine andere Richtung. Nochmal um den Berg herum, dann um den anderen Berg und wir laufen dabei weitere Höhenmeter. In der Vorfreude auf die Pause laufen unsere Beine fast von ganz allein. Wir überqueren schließlich den letzten Bergzipfel und sehen eine Schar von Touris, die gerade aus der Zahnradbahn aussteigen um auch zum Gipfel hochzugehen. Das letzte kleine Stück ist daher leicht und gut machbar. Auf dem Weg zur Spitze sehen wir plötzlich eine Murmeltierfarm. Fassungslos und bedrückt stehen wir davor, unfähig einfach weiterzugehen. Die sonst so scheuen einzelgängerischen Murmeltiere werden gefüttert und fotografiert. Das können wir einfach nicht glauben. 

Der wolkenverhangene Himmel versperrt uns die Sicht auf den Genfer See, trotzdem picknicken wir ausführlich. Uns erwartet "nur" noch der Abstieg und dann würden wir endlich Montreux erreichen. Er führt zunächst über ein paar Pfade, dann Schotter und schließlich einer Straße. Wir schauen Paraglidern zu und wollen mit ständigem Blick auf den See nur noch eines: in den kühlen See springen. Wie immer täuscht der Blick und der Weg ist weiter als gedacht, sodass unsere Füße ganz extrem schmerzen. Dann müssen wir auch noch mehr als eine Stunde einen Hang durch den Wald hinunter. Der Weg ist zwar schattig, aber sehr sehr steil. Wir mussten bei jedem Schritt abbremsen und aufpassen wo wir hintreten. Das war anstrengend und wir wollten nur noch eines - ankommen. Wir atmeten beide immer tief durch und wussten gleichzeitig, dass jeder Schritt zählt. Auf der Zielgeraden mussten wir noch die Airbnb-Adresse raussuchen. Das kann man dann auch nicht gebrauchen. Jedenfalls sind wir angekommen. Und was haben wir als aller Erstes gemacht? Natürlich geduscht. Wir genossen den Hammer-Ausblick von der Terrasse der Gastgeberin, kochten mit Blick auf den See Spaghetti Carbonara und schliefen nach einem Teeniefilm "The Kissing  Both" seelenruhig und zufrieden ein.